Der Herr der Vorurteile

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Meine erste Moscheeführung machte ich gemeinsam mit einer Freundin und einer kleinen Gruppe von Menschen, die ich größtenteils schon kannte. Ich war ein bisschen aufgeregt. Ich habe zwar schon oft Menschen von meiner Religion erzählt, von meinem persönlichen Glauben und von meinem religiösen Alltag. Aber ich habe noch nie jemanden durch das Haus geführt, das von so vielen Muslimen als Gebetsstätte, Ruheort, Treffpunkt, Ort des Lernens oder einfach als Haus Gottes empfunden wird. Wir machten uns noch ein paar gedankliche Notizen, welche Räume wir zeigen wollten, zu welchen Gegenständen und architektonischen Besonderheiten wir etwas erklären wollten, welche Kaligraphien wir übersetzen wollten, möglichst so, dass alle dachten, wir könnten die Quran-Verse aus dem Stehgreif übersetzen.
Wir begannen ganz klassisch damit unsere Gäste zu begrüßen und sie zu bitten, ihre Schuhe auszuziehen und sie im Regal zu verstauen. Nach ein paar Erklärungen zur Kanzel, der Gebetsnische und den Ornamenten und Kaligraphien, setzten wir uns auf den roten Teppich in einem kleinen Kreis und begannen den Faden zu verlieren.
Oder der Faden wurde uns genommen. Ich kann schon jetzt nicht mehr rekonstruieren, an welchem Punkt unsere Erläuterungen durch die Fragen unserer Zuhörer ersetzt wurden. Wir versuchten  darüber zu sprechen, wie schön es ist, dass die Moschee jederzeit offen ist und man sich auch im Gebetsraum einfach treffen und sich unterhalten kann. Wir versuchten über die 5 Säulen des Islams und ihre Bedeutung zu sprechen. Wir versuchten über die Hilfsbereitschaft der Moscheegemeinde für Flüchtlinge zu sprechen. Über den Quran. Über die Prophetengeschichten. Und über den einen und gleichen Gott. Und zwischendrin wurden die interessierten Fragestellungen unterbrochen, von einem Teilnehmer, den ich in Gedanken irgendwann nur noch den „Herrn der Vorurteile“ nannte. Er wusste sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden:

„Wie wäre es denn, wenn Sie auf einmal einen Christen heiraten wollten. Was würden ihre Eltern machen?“

„Also in den ganzen islamischen Ländern, wenn man da etwas anderes sagt, oder denkt, sich gegen den Glauben wendet, Zweifel hat oder aus dem Islam austritt, da kriegt man ja schon Stress. Oder?“

„Wie ist das denn mit der Gleichstellung? In Afghanistan kriegen die Mädchen ja gar keine Schulbildung!“

„Ist das schlimm für Sie, dass hier der Muezzin nicht rufen darf? Also in den ganzen islamischen Ländern, da könnte ich als Christ ja jetzt auch nicht hin und meinen Glauben frei Leben und in eine Kirche gehen, in der die Glocken läuten. In der Türkei darf man ja nicht mal Kirchen bauen.“

„Außerdem sind ja alle islamischen Staaten Gottesstaaten. Da ist die Religion der Staat und der Staat die Religion. Das ist in Europa ja (Gott sei Dank) schon lange nicht mehr so, weil wir uns das durch die Aufklärung erkämpft haben.“

„In Saudi-Arabien haben die Frauen ja auch kein Wahlrecht. Und wer dort klaut, dem wird ja auch die Hand abgehackt.“

(Diese Aufzählung ist nicht vollständig!)

Obgleich die meisten dieser Vorurteile nicht als Fragen, sondern Vorwürfe und Behauptungen formuliert waren, antworteten wir mehr oder weniger geduldig und versuchten das meiste Un-Wissen zu beseitigen. Ich habe mich aber in keinem Satz getraut, das auszusprechen, was ich eigentlich die ganze Zeit sagen wollte:

Lieber Herr der Vorurteile,

zuerst war ich wütend: Auf Sie, auf die Menschen, die diese Vorurteile leider immer wieder bestätigen und auf die Medien, aus denen sie augenscheinlich Ihre Informationen beziehen, denn Sie haben gestanden: Sie kannten bisher keine Muslime persönlich!

Doch dann war ich weniger wütend, als einfach nur traurig und enttäuscht. Traurig über alles, was ich in unserer Führung nicht sagen konnte. Wir waren so sehr damit beschäftigt, Ihre reißerischen Thesen zu entkräften und auf Ihre voreingenommen Fragen zu antworten, dass wir keine Zeit und keine Kraft mehr dazu hatten, die Dinge zu erzählen, die wir Ihnen über unsere Religion mitgeben wollten.
Wir konnten nicht darüber sprechen, was uns Tag für Tag dazu bringt, trotz aller Schwierigkeiten und Anfeindungen an einer Religion festzuhalten, die als gewalttätig und frauenverachtend bezeichnet wird.

Wir konnten Ihnen nicht von den schönen Dingen erzählen: Von Barmherzigkeit, von Nächstenliebe, von Demut und Gottesnähe, von Geschwisterlichkeit und Gemeinschaft, von Gerechtigkeit und Bescheidenheit, von Licht und vom Sinn aller Dinge.

Und auch nicht von dem ganz besonderen Gefühl, wenn man als junger Mensch beginnt sich mit seiner Religion zu beschäftigen, vielleicht Zweifel hat, nach Antworten sucht und auf einmal diesen Moment der Einsicht hat und Gottes Nähe beinahe körperlich spürt. Und auch nicht davon, dass man in diesem Moment an den Quranvers: „…Und wir sind dem Menschen näher als seine Halsschlagader“ (Sure 50, Vers 16) oder „Und Er ist mit euch, wo immer ihr auch sein möget“ (Sure 57, Vers 4) denkt.

Und wir hatten auch keine Zeit mehr zu erzählen, dass an Tagen, in denen Menschen wie Sie uns das Leben schwer machen, wir unsere Hoffnung und Kraft in Versen wie diesen finden: „Allah legt keiner Seele mehr auf, als sie zu tragen vermag“ (Sure 2, Vers 286) oder „Nach der Erschwernis kommt Erleichterung. Wahrlich, nach der Erschwernis kommt Erleichterung“ (Sure 94, Vers 4).

Es tut mir leid, dass Sie das alles nicht hören konnten. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob Sie wirklich zugehört hätten.

Was mir aber noch mehr leid tut: Sie sind nicht die Ausnahme. Menschen wie Sie begegnen uns tagtäglich. Fragen immer wieder die gleichen Fragen, sodass wir beinahe schon ein großes 1×1 der Vorurteile zusammenstellen könnten. Werfen uns zurück auf ein Erklärungsniveau, von dem wir dachten, dass wir dieses längst überwunden hätten. Und das schlimmste daran ist: Sie prägen damit unseren Alltag und unseren Blickwinkel auf unsere Religion. Für viele ist es die intensivste, weil notwendigste Beschäftigung mit ihrer Religion, sich mit diesen Fragen auseinander zu setzen und Antworten zu finden, die sie Ihnen entgegen setzen können. Und genau das ist das fatale daran. Genauso wie wir keine Zeit hatten, Ihnen von den lichten Seiten unseres Glaubens zu erzählen, so haben wir selbst vor allem in jungen Jahren kaum Zeit uns unserer eigenen Religion auf eine Weise zu nähern, die erst Gottesvertrauen und dann Verbote lehrt, die Barmherzigkeit vor Strenge stellt und deren Grundtenor „Allah will Erleichterung für euch, er will keine Erschwernis für euch“ (Sure 2, Vers 185) lautet. Denn wir stehen unter ständigem Beschuss, in die Ecke gedrängt mit ständig wachsendem Rechtfertigungsdruck und wachsen so mit einem verzerrten Bild über uns selbst auf. Und damit verlieren wir es aus den Augen uns mit unserem Glauben abseits von Vorurteilen, Behauptungen und Anschuldigungen zu beschäftigen, sondern einfach aus dem Bedürfnis heraus zu verstehen, was Gott uns mit seiner Religion sagen will und ihm damit jeden Tag ein Stück näher zu kommen.

Für mich gibt es hier nur einen Ausweg: Entweder Sie hören auf, solche Fragen zu stellen oder wir fangen an, uns zu weigern darauf zu antworten!

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13 Gedanken zu “Der Herr der Vorurteile

  1. Ich bin wohl genau so eine Person, der du sagen würdest, ich solle aufhören solche Fragen zu stellen oder du weigerst dich, darauf zu antworten. Aber was ist eigentlich der Vorwurf? Ich kann durchaus verstehen, dass es sehr nervig sein kann, wenn man immer mit unangenehmen Fragen durchlöchert wird und die Fragenden einem dann auch oft nicht freundlich gesinnt sind. Ich will dabei auch gar nicht in Abrede stellen, dass man es in solchen Gesprächen oft mit Rassisten zu tun hat, denen man es eh nie recht machen kann.
    Gleichzeitig ist es aber so, dass wenn man eine Weltanschauung vertritt, und das auch noch klar nach außen, dann muss man auch damit leben, dass diese Weltanschauung hinterfragt und auch kritisiert wird. Was der Herr in der Moschee sagte, nennst du aber nicht Kritik, sondern Vorurteile. Du wirfst ihm also vor, er hätte über dich geurteilt, ohne dich zu kennen. Oder er hätte über den Islam geurteilt, ohne den Islam zu kennen. Nur leuchtet mir diese Einschätzung von dir nicht ein. Von den 6 zitierten Aussagen spricht nur eine Aussage dich an, nämlich ob du einen Christen heiraten könntest. Das würde ich allerdings eher als allgemeine Frage verstehen, wie das innerhalb des Islams ist. Demnach beschäftigt sich keine Fragen mit dir, sondern alle mit dem Islam. Also meinst du wohl, dass die Aussagen falsche Urteile über den Islam sind.

    Schauen wir uns das mal nacheinander an:
    1. Eine muslimische Frau darf nach allen mir bekannten Rechtsschulen keinen nicht-muslimischen Mann heiraten. Sagt der Zentralrat der Muslime hier auch schwarz auf weiß: http://www.islam.de/1641.php#juc/mischehe02.html
    2. Apostasie (also der Abfall vom Glauben) kann noch heute im Sudan, Jemen und Iran sowie in Saudi-Arabien, Katar, Pakistan, Afghanistan, Somalia und in Mauretanien mit dem Tod bestraft werden. Auch in Europa gab es einige Fälle, wo Menschen, die sich vom Islam abgewendet haben, Morddrohungen erhielten; teilweise gab es auch Morde. Theologisch ist es so, dass der Koran eine Bestrafung erst im Jenseits vorsieht, aber nach Hadithen ist das wiederum ganz anders. https://de.wikipedia.org/wiki/Apostasie_im_Islam
    3. Dass Mädchen in Afghanistan unter den Taliban quasi keine Bildung erhalten konnten, ist ein Fakt. Dies wurde islamisch begründet.
    4. In den islamisch dominierten Ländern gibt es tatsächlich Einschränkungen für Christen. Grundsätzlich werden Christen und Juden toleriert und müssen eine Kopfsteuer bezahlen. Sie sind aber nicht gleichberechtigt neben den Muslimen. Eine Missionierung z.B. wird in der Regel schwer bestraft. In der Türkei gab es auch wirklich keine christlichen Kirchen, nur dieses Jahr wurde erstmals in der Geschichte der Türkei der Bau einer Kirche genehmigt.
    5. Es gibt im Islam auch keine Trennung von Staat und Religion. Die staatliche Herrschaft ist in der Regel religiös legitimiert und auch die Gesetze orientieren sich stark an der Scharia.
    6. Nicht nur Frauen, niemand hat in Saudi Arabien wirklich Wahlrecht, weil es keine Demokratie ist. Dennoch haben Frauen weniger Rechte, was sich nicht nur am Autofahren zeigt. Und es stimmt, dass schwerer Diebstahl mit Abschneiden der Gliedmaßen sanktioniert werden kann.

    Fazit: in diesen „Vorurteilen“, die du nennst, kann ich hauptsächlich Tatsachen erkennen. Ich weiß nicht, in welchem Ton sie vorgetragen wurden, aber Vorurteile sind es wohl weniger. Ein Vorurteil wäre es aber in der Tat (!), wenn man allen Muslimen unterstellt, das richtig zu finden.

    Abschließend sei angemerkt, dass ich es für grundfalsch halte, all dies einfach zu leugnen und immer damit ab zu tun, das hätte ja nichts mit dem Islam zu tun. Das recht neu gegründete „Muslimische Forum Deutschland“ geht da einen ganz anderen Weg. Es kritisiert viele Aspekte in den muslimischen Gesellschaften in Europa und in den muslimischen Staaten in der Welt – und stellt dem eigene Werte entgegen. Ich wünsche ihnen dabei viel Erfolg. https://www.facebook.com/MuslimischesForum

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    1. Worum es mir vordergründig geht, bzw. was mein Vorwurf ist, ist Folgendes: Wenn ich erkenntlich einer Religion angehöre, dann ist es selbstverständlich Kritik an der eigenen Religion und das Hinterfragen durch andere hinnehmen können zu müssen. Das erwartet niemand anders und kennt auch niemand anders. Das Große Aber: Wenn ich als Mensch, der offensichtlich den Islam nur aus den Medien kennt, in eine Moschee komme, um den Islam der Muslime dort kennen zu lernen, dann erwarte ich, dass man den Islam auch einmal anders kennen lernen möchte. Dass man zuhört, was die Muslime über ihre eigene Religion zu erzählen haben. Wie individuell und vielschichtig die Sicht jedes einzelnen Gläubigen auf seine Religion vielleicht ist.
      Diesem Willen zur Aufgeschlossenheit oder Horizonterweiterung begegnet man leider sehr selten. Darauf wollte ich aufmerksam machen und darauf hinweisen, wie sehr es uns in unserem eigenen Islam-Bild prägt, immer nur diese eine medial geprägte Seite des Islam erklären / rechtfertigen / entschuldigen / klarstellen zu müssen.
      Dein Satz „Demnach beschäftigt sich keine Fragen mit dir, sondern alle mit dem Islam“ bringt das Problem noch einmal auf den Punkt.
      Ja, keine dieser Fragen beschäftigt sich mit mir. 2 Haken: Ich bin aber diejenige, die dort sitzt und den Dialog anbietet. Sollte man sich da nicht mit seinem Gegenüber und seinen Ansichten beschäftigen? Gleichzeitig wird Saudi-Arabien, Afghanistan und etliche andere Beispiele angeführt, die mit mir absolut nichts zu tun haben und trotzdem wird von mir erwartet, dass ich das Rechts- und Verfassungssystem, das Strafmaß, die Bildungspolitik und das Wahlrecht von Ländern erkläre oder mich dafür entschuldige, mit denen ich nichts zu tun habe oder zu tun haben will. Am Ende stehe ich nur wieder da und frage: „Und was hat das mit mir zu tun?“ Nichts.
      Dass diese Fragen sich mit dem Islam beschäftigen halte ich auch für falsch. Sie beschäftigen sich größtenteils mit Tatsachen, wie sie in Ländern praktiziert werden, die sich islamisch nennen. Aber vorsichtig ausgedrückt: Nicht alles was glänzt, ist Gold! Oder anders: Wir sollten hier trennen zwischen Realität und Ideal!
      Würde man sich tatsächlich im Rahmen dieser Themen mit dem Islam auseinander setzen, würde man sehr schnell feststellen, dass jede einzelne dieser Thesen theologisch extrem umstritten ist und sich zu jedem Punkt mindestens ein (oder auch mehr, wenn nicht die Mehrheit) namhafter Gelehrter finden lässt, der das genaue Gegenteil vertritt. Das ist im übrigen insbesondere für die Apostasie der Fall. In deinen Wikipedia hinweisen, lässt sich dazu wahrscheinlich wenig finden. Die Meinungsvielfalt, die hinter diesen „Thesen“ steht ist in der Regel nicht bekannt oder es ist grundsätzlich nicht bekannt, dass in der islamischen Jurisprudenz in den meisten Fällen Meinungsvielfalt unter den muslimischen Juristen herrscht. Und dann gibt es da noch die Dimension, wie jeder Einzelne dazu steht.
      Insgesamt soll mein Beitrag kein Aufruf zur Dialog-Verweigerung sein, sondern diesen viel eher in produktivere und wertschätzendere Bahnen lenken!

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  2. Hallo,

    erstmal finde ich den Beitrag sehr interessant.

    Ich kann auch verstehen, dass du traurig warst, da du nicht dazu kamst, die schönen Seiten deiner Religion nahe zu bringen. Vielleicht kannst du das ja bei der nächsten Führung besser umsetzen, und beim Mal danach noch besser, jedes Mal ein kleines Stückchen.

    Des Weiteren bin ich selbt katholisch, aber nicht streng gläubig. Ich hätte vielleicht viele Fragen des „Herrn der Vorurteile“ auch gestellt, in meinem Fall aber komplett ohne bösen Hintergedanken, sondern eher mit reiner Neugier.
    Ich hätte ehrlich gesagt auch vieles dazu nicht gewusst, ich weiß aber auch nicht, wie negativ die Fragen in deinem Fall formuliert waren.

    Ich finde, ihr solltet nicht versuchen, mit der Aufklärung solcher Vorurteile aufzuhören. Es ist ganz ganz wichtig, egal wie oft man eine Frage hört, sie jedes Mal wieder gleichbleibend offen, korrekt und ausführlich zu beantworten.

    Ein kleiner Anstoß von mir dazu: Für weitere Formulierungen, überlege dir doch mit anderen muslimischen Freunden oder auch Bekannten/Moscheeführern die am häufigsten auftauchenden (negativen) Klischees zum Islam. Dann schreibt diese, zum Beispiel als Frage gesellt (wie du oben den „Herrn der Vorurteile“ zitiert hast), einmal auf ein Blatt A4 und beantworte diese ein mal korrekt und offen. Dann vervielfältige dieses Blatt, kopier oder druck es, und verteile es einfach als Beiblatt in den Führungen. Du kannst es dann jederzeit ergänzen und neu drucken, aber so räumst du vielleicht auf etwas einfachere Weise mit den Klischees auf und musst nicht immer widerwillig die gleichen Fragen beantworten, die dir nicht gefallen.

    Ich weiß nicht, wie viele Klischees es gibt oder ob das so möglich wäre, aber es wäre so meine Idee gewesen 🙂 Würde mich auch sehr über eine Antwort dazu freuen, ob sowas aus deiner Sicht überhaupt Sinn macht. Ich selbst würde ehrlich gesagt gerne so ein Blatt haben, um mehr korrekte Infos über den Islam zu bekommen (und keine Halb-Wahrheiten aus dem Internet).

    Liebe Grüße!

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    1. Danke für deinen Kommentar und vor allem für deine Idee.
      Ich muss gestehen: Nach dieser Führung hatte ich genau die gleiche Idee wie du, weil tatsächlich immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden. Über so ein kleines 1×1 der häufigsten Klischees und Fragen, ließe sich wirklich nachdenken. Falls so ein Handout für Führungen mal entstehen sollte, wird man hier bestimmt davon lesen werden…
      Es beseitigt allerdings immer noch nicht mein Problem: Ich wünsche mir, dass diese Fragen nicht im Vordergrund stehen, wenn man die Muslime und ihren Glauben kennen lernen möchte, sondern dass man sich die Zeit nimmt, das Wesen dieser Religion besser zu begreifen.
      Um es etwas zugespitzt auszudrücken: Wenn ich jemanden neu kennen lerne, beginne ich mein erstes Gespräch in der Regel auch nicht damit, dass ich erst mal nachfrage, ob jeder Läster-Klatsch über ihn / sie tatsächlich wahr ist. 🙂

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  3. ok, das kann ich verstehen, finde es ehrlich gesagt auch blöd, sich nicht einmal selbst ein Bild zu machen und die Vorurteile bei Seite zu lassen. Vor allem das dann in einer Moschee, da wäre ich denke ich schon vorsichtig mit meinen Fragen und alledem. Das ist ja ein bisschen, als käme jemand in mein Haus und fragt mich dann, ob alle deutschen Frauen wirklich so „leicht zu haben“ sind oder ob ich überhaupt Spaß verstehe, weil deutsche ja so einen schlechten Sinn für Humor haben und überhaupt. Oder ob ich nur Kartoffeln esse. Was ein Unsinn. Ja, ich denke, ich verstehe schon, was du meinst.. :‘)

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  4. Salam aleikum liebe Maryam,

    Ein sehr interessanter Artikel,,ich habe ihn mit Aufmerksamkeit gelesen. Und die Fragen kamen mir alle (als Muslimin) sehr bekannt vor. Ehrlich gesagt, ich habe das Gefühl, diese Fragen mühselig und aufrichtig schon seit über 10 Jahren jeden Tag aufs Neue beantwortet zu haben. Diese Fragen sind gar nicht so schlau wie sie aussehen. Tlw sind es einfach nur medial in die Köpfe der Menschen fixierte Vorurteile. Wir haben ja gesehen, wie die Medien + Politik von einem Tag auf den anderen aus dem nützlichen säkularen Diktator einen gejagten Feind zu machen. Ist das nicht erschreckend, wie Feindbilder systematisch vermittelt und konstruiert werden und uns subtil beeinflussen ? Der Kommentar von „Desert“ ist ein wunderbares Beispiel für diese Konditionierung. Dass Frauen keine Bildung erlangen dürften, stellt er einfach als „Fakt“ hin. Ohne jegliche Belege aus dem Islam. Warum? Weil es ihm die Medien so beigebracht haben. Leider liegt die Aufklärung in Europa schon etwas länger zurück. Es ist so, dass Menschen wie „Desert“ sich in ihrer „selbstverschuldeten Unmündigkeit “ befinden, aus der man sie erst mal befreien muss. Erst dann kann man diskutieren. „Desert“ hat offenbar noch nicht mitbekommen, dass die Schulen in Afghanistan, im Norden Pakistans und im Gazastreifen von den USA, der NATO (also wir) ua weggebombt werden. Die Vernichtung muslimischer Zivilisationen wird nicht mehr hinterfragt, das würde etwas geistige Anstrengung und Geschichtsbewusstsein erfordern.
    Nur ein kleiner Tipp: informieren Sie sich aus authentischen Quellen, dann erfahren Sie mehr, zB über die Gelehrsamkeit der Frau des Propheten (s) Aisha (ra), eine der größten Hadithgelehrten überhaupt .

    Die fehlende Logik der Kritiker sei an „Deserts“ fabelhaften Bsp exemplifiziert: so ist es für ihn ein Beweis dass Frauen keine Rechte im Islam haben, wenn in SA Frauen nicht Autofahren dürfen. Das dies im muslimischen Indonesien, oder gar in den benachbarten Vereinigten Emiraten, im konservativen Pakistan oder im islamischen Maghreb NICHT der Fall ist, genügt offenbar nicht zum Gegenbeweis. Das ist selektiv und nicht rational. Merken Sie was?

    Deshalb hier ein paar Argumente aus meinem Repertoire.
    Vielleicht sollte man die Leute darauf aufmerksam machen, woher sie ihre Informationen beziehen. Wichtig ist auch zu fragen, ob ein „Frager“, der so ehrenwertes Interesse vorgibt zu haben, jemals den Koran auch nur aufgeschlagen hat. Wie man im Kommentar von „Desert“ sieht, stammen die meisten „Argumente “ vom Hörensagen. Die Behauptungen bestehen aus inhaltsleeren Pauschalisierungen („die muslimischen Länder“, „es ist allgemein bekannt“…) und hohlen Phrasen („Säkularisierung “ – schon mal was von Staatskirchenrecht gehört??).

    Zur Apostasie :sieht man sich das „case-law“ aus der Zeit des Propheten an, stellt man fest, dass es viel komplexer ist. Warum sonst heißt es im Koran sinngemäß, „hätten wir gewollt, so hätten wir euch alle zu einem ummah gemacht“. Allah sagt im Koran so oft zum Propheten, er soll nicht daran verzweifeln, dass die Leute die Offenbarung ablehnen. Kein juristischer Laie würde sich wagen, eine Rechtsfrage deutschen Recht selbst zu beantworten. Sie Vermögen nicht einmal zwischen Diebstahl und Betrug, zwischen Raub und Erpressung unterscheiden. Wir Juristen, die das studiert haben, können das. Im islamischen Recht ist es nicht anders. Nicht jeder Muslim ist ein geborener Fiqh-Experte. Noch viel weniger sind das die selbsternannten Kritiker.

    Zur Toleranz: wieder hilft ein Blick in die Praxis des Propheten. Er (s) hat eine christliche Delegation ihren Gottesdienst in einer Moschee abhalten lassen! Man sehe sich einfach mal in der muslimischen Welt um, noch heute sieht jeder, dass Juden und Christen unter dem Islam frei Leben könnten und können. Es gibt christliche Schulen und sogar reservierte Parlamentssitze für religiöse Minderheiten in Pakistan.

    Es ist alles eine Frage des Willens. Wenn ich in eine Kirche gehe, dann konfrontiere ich den gläubigen Christen nicht mit den Schandtaten der christlichen Kolonialherren und der Imperialisten der heutigen Zeit die wieder unter dem Banner des Kreuzes marschieren , weil ich als Muslim weiß, dass diese „Kreuzritter“ ihre Religion pervertieren und für eigene Zwecke missbrauchen, was nicht der Lehre Jesu (as) entspricht. Ich wünsche mir etwas mehr Bildung auch der hiesigen Bevölkerung, gerade in religiösen Angelegenheiten.

    Wa Salam liebe Schwester, weiter so mit dem wunderbaren Blog! Freue mich auf mehr!!

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  5. Assalamu Alaykum liebe Maryam,

    erst einmal möchte ich dir für deine Mühe danken und wünsche dir viel Freude und Tatendrang beim schreiben.

    So vieles in deinem Beitrag erkenne ich wieder, gelegentlich auch bei Familientreffen bei denen meinem Bruder und mir -da wir die einzigen Muslime in der Familie sind, die Münder mancher Menschen wie der eines Gewehres vorkommen.
    Nun kann man darüber spekulieren ob sie sich nun selbst bewaffneten, oder -was ich persönlich für viel wahrscheinlicher halte- einem „Inception“ verfallen sind.

    Wenn wir einmal betrachten wie soziologische Institutionen entstehen und erkennen, dass habitualisierte Handlungen durch typen von handelnden reziprok typisiert werden, stellen wir sehr schnell fest, dass uns oft die Sinnhaftigkeit der Handlung verborgen bleibt (zur Begrüßung die Hand schütteln) denn uns sind weder die Urheber noch der Grund der Habitualisierung bekannt.

    Wir haben uns eine neue Erklärung für die Handlung zurecht gelegt, allerdings hat sie mit der Urform wenig, oder oft gar nichts mehr zu tun.

    Wie auch immer…eine institutionale Welt wird als objektive Wirklichkeit erlebt.
    So wird eine bestimmte gesellschaftliche Welt zur Welt schlechthin.

    Ein Ring um sie zu knechten, denn letztendlich erkennt der Herr nicht, dass er nur dem Drang folgt seine Welt zu objektivieren und ferner eine Bestätigung über ein Wissen zu erhalten -das im Mittelpunkt der fundamentalen Dialektik der Gesellschaft liegt- welches er sich nicht selbst durch Erkenntnis erarbeitet hat bzw. teil seiner erlebten Realität ist.

    Um Bruce Lee zu zitieren – ja wirklich!:“Your Mind is like a Glass of Water, if you want to fill it with knoledge and wisdom, you have to empty it first!“

    Ein Individuum das sich auf die Suche nach Spiritualität begibt ist in einem völlig anderen Zustand, denn das Glas wird bereits ausgegossen weil man schon erkannte, dass der Inhalt den Durst nicht zu löschen vermag -auch wenn das völlig subjektiv ist und für jeden Menschen anders sein mag, denn manch einem gefällt was er zu trinken bekommt.

    In einer Auseinandersetzung die Emotional aufgeladen wird, zu versuchen logisch zu argumentieren ist vollkommen hoffnungslos.

    Den eigenen Balken sieht man niemals und die wenigsten haben den Mut sich einzugestehen, dass ALLES, jedes noch so perfekt anmutende System durch den Menschen mit Fehlern behaftet ist.
    Es ist einfacher einer völlig konstruierten Realität zu folgen, als sich eingestehen zu müssen, dass man Jahrzehnte seines Lebens zum narren gehalten wurde,
    weswegen viele Gesellschaften auch immer noch an gewissen „Rassenbildern“ festhalten, denn „alles Wissen kommt vom weißen Mann“, wie wir in der Schule lernen.

    Dort haben wir auch gelernt, was Religion -wenn sie von Individuen personalisiert und zu einer Art Kult verfallen, mit einer Bevölkerung anrichten kann, wenn sie genügend Macht erhält. Viele haben dies als Präzedenzfall im Hinterkopf, wenn sie von den „Rückständigen“ sprechen.

    Letztendlich müssen wir lernen zu unterscheiden welche Fragen rein Rhetorisch sind und verstehen, was die Sinnhaftigkeit der Frage ist, ihre Essenz, um dem gegenüber dabei zu helfen zu verstehen, weswegen diese Frage gestellt wurde, denn letztendlich sind es suchende die sich selbst in dem verloren haben was sie glauben zu sein oder sein zu müssen.

    Erstaunlicher weise liegt gelebter Spiritualität immer eine intrinsische Motivation zu Grunde, denn sonst wäre jedes verrichtete Gebet auch nur „Aerobic“.
    Jemand der diesen innerlichen Zugang zu sich nicht hat, dem kann man auch versuchen zu erklären wie es sich anfühlt verliebt zu sein…man wird niemals verstanden werden.

    Ich wünsche dir von herzen viel Kraft und Geduld bei deiner Arbeit…möge Allah es dir vergelten.

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  6. Liebe Verfasserin, liebe Kommentatoren,

    mit Spannung habe ich diesen Beitrag gelesen, wohl in der Hoffnung, dass ich einen einzigen Beitrag finde, der mich, die auch überzeugte Muslima ist, zufriedenstellt und meinen Horizont erweitert. Leider fand ich nur die allseits bekannten Muster und Abwehrversuche. Deshalb möchte ich mit meinem Kommentar der Bloggerin auch direkt antworten:

    Liebe Maryam,

    ich möchte beginnen mit deinem letzten Satz:
    Für mich gibt es hier nur einen Ausweg: Entweder Sie hören auf, solche Fragen zu stellen oder wir fangen an, uns zu weigern darauf zu antworten!

    Gibt es Fragen, die nicht gestellt werden dürfen? Bevor ich mich verweigere diese Fragen zu beantworten, muss ich doch erstmal überprüfen, warum diese Fragen gestellt werden. Ihr so bezeichneter Herr der Vorurteile wollte sicherlich keine Fragen stellen, sondern Vorwürfe zum Ausdruck bringen und wäre sicherlich an den Antworten kaum interessiert gewesen. Aber Desert zeigte sich interessiert, warf aus Interesse und aus einer gewissen Kenntnis bestimmte Fragen auf. Wenn man diese Fragen nun mit Schweigen begegnet, dann wirkt das ratlos, fast hilflos. Ich kann dann vollkommen nachvollziehen, dass man sich „in die Ecke gedrängt“ fühlt.

    Aber wir Muslime müssen irgendwann damit anfangen mit uns selbst kritisch umzugehen und auch kritische Fragen zu unserer Religion zuzulassen. Im Koran werden wir an so vielen Stellen zum selbstständigen Denken und Hinterfragen aufgefordert. Muslimische Forscher und Wissenschaftler haben die Welt in Riesenschritten vorangebracht, weil sie hinterfragten. Auch die islamische Philosophie hinterfragte und zweifelte. Im Zweifel kann auch Stärke liegen.

    Nicht jede Frage ist ein Vorurteil, von den Medien produziert oder gar an den Haaren herbeigezogen. ich stimme dir zu, was in Saudi-Arabien passiert, in Afghanistan oder gar in Sytrien durch den IS, das hat mit dem Islam vielleicht oft nichts zu tun: ABER: diese Dinge werden oft mit dem Islam legitimiert. Und dann ist es doch völlig normal, dass Andersgläubige fragen: Warum erlaubt der Islam so etwas? In diese Debatte müssen wir dann hinein gehen, um zu belegen, warum der Islam so etwas nicht zulässt. Ob das Problem damit gelöst ist, das weiß ich nicht, aber zumindest muss es doch im Islam Antworten auf diese Fragen geben.

    Und ich glaube der Herr der Vorurteile kennt sehr viele Muslime und konnte seine Vorurteile in vielen Muslimen manifestiert finden.
    Wie oft erlebe ich selber Muslime die andere Menschen abwerten weil diese kein Kopftuch tragen? Wie oft erfahre ich das Familienmitglieder ausgegrenzt werden, weil sie kein Kopftuch tragen wollen, jemand heiraten wollen, der nicht ins Bild passt oder was auch immer. Wie oft gehen muslimische Männer nicht arbeiten, weil sie fünf mal am Tag in die Moschee beten gehen müssen? Wie oft sind es genau diese Männer, die ihren islamischen Pflichten gegenüber der Familie dann aber nicht im geringsten nachkommen? Und wie oft findet Ausgrenzung auf Grund der Religion statt? Warum nimmt Deutschland Flüchtlinge auf, Saudi-Arabien, Qatar und Dubai aber keine?

    Ich weiß, die Antwort von dir darauf wird sein: Machen Sie den Islam nicht für die Schwäche der Muslime verantwortlich!

    Aber was ist wenn die Muslime stets den Islam als Legitimation für ihr Handeln herbeiziehen? Dann muss doch die Frage erlaubt sein dürfen: Wie kommen die Menschen darauf so etwas zu behaupten? Ist es an den Haaren herbeigezogen oder ist es wirklich islamisch begründet? Hier fehlt es den Muslimen, und da bin ich sehr selbstkritisch, an Selbstreflexion.
    Wie wirke ich in dieser Gesellschaft auf andere? Welche Fragen werfe ich auf und welche Fragen werden in einer globalisierten, hypermedialisierten Welt aufgeworfen, mit denen ich mich auseinander setzen muss. Noch vor 60 Jahren hätte niemand mitbekommen, ob in Afghanistan im Namen des Islam eine Frau gesteinigt worden wäre. Heute muss ich mich als Muslima in dieser Gesellschaft dieser Frage stellen.

    Liebe Maryam, Menschen wie du, befeuern diese Vorurteile nur. Was ich hier vorgefunden habe, ist die gleiche Kleinkariertheit, die ich tagtäglich antreffe, nur verbal besser verpackt. Wir können diesen Vorurteilen nur dann entgegentreten wenn wir diese Fragen zufriedenstellend beantworten können. Und um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir uns mit uns selbst, unserem Handeln und unserer Religion auseinandersetzen. Es gibt in dieser wunderbaren Religion Antworten auf alles, wir müssen sie nur suchen. Solange die Muslime aber auf Kritik an ihrer Religion direkt mit Ablehnung, Schweigen und Aggressivität reagieren, kann kein wirklicher Prozess der Selbstreflexion stattfinden. Versuche die Perspektive zu wechseln! Versuch zu begreifen, warum Menschen diese Fragen gerade an Muslime richten! Weil wir Muslime diese Vorurteile tagtäglich bestätigen.
    Vor allem aber versuche zu verstehen, dass diese Menschen auf der anderen Seite genauso davon überzeugt sind den rechten Weg zu gehen, wie wir Muslime. Immer wieder stelle ich fest, dass Muslime sich so benehmen, als ob sie das einzige Recht auf Wahrheit hätten. Was ist denn mit den anderen 7 Milliarden Menschen? Haben die also alle Unrecht? Müssen wir die alle bekehren? Wie würdest du reagieren, wenn dir jemand das offensichtliche Gefühl gibt, im Unrecht zu sein. Oder wie mir noch vor kurzem am Lies! Stand jemand bestätigte: „Alle Nichtmuslime kommen in die Hölle!“. Was sag ich denn jetzt meinem nichtmuslimischen Vater, der der beste Vater der Welt ist, niemals etwas böses getan hat, sich immer um seine Kinder gekümmert hat, aber nun mal Christ ist. Kommt er auch in die Hölle?

    Solange wir keine islamisch-theologisch fundierte Antwort auf die bohrenden Fragen haben, solange brauchen wir uns auch nicht zu wundern, warum Menschen uns skeptisch beäugen.

    Zum Üben schon mal die folgenden Fragen:
    Warum dürfen muslimische Männer eine Christin oder Jüdin heiraten, muslimische Frauen aber nicht einen andersgläubigen Mann?

    Warum werden immer wieder islamisch begründet Söhne und Töchter aus den Familien verstoßen, wenn sie nicht „familienkonforme“ Entscheidungen treffen? Die islamische Begründung ist hier immer das sogenannte „Birr alualidein“, der Gehorsam gegenüber den Eltern.

    Warum sind Muslime selten offen und meistens unter sich? Warum findet so oft Ausgrenzung mit islamischer Legitimation statt?

    Was ist mit meinem christlichen Vater? Kommt der in die Hölle? Jeder Muslim den ich bisher gefragt habe, hat gesagt: Ja, kommt er!

    Wie steht der Islam zur Gleichberechtigung der Frau? Ich zitiere einige Ahadith:
    Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: „Wenn der Ehemann seine Frau zu seinem Bett ruft, und sie kommt nicht zu ihm und er verbringt die Nacht im Ärger auf sie, fluchen die Engel auf sie die ganze Nacht hindurch, bis zum Morgen.“ (Al-Bukhari und Muslim)

    Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: „Eine Frau darf nicht freiwillig fasten, wenn ihr Mann zu Haus ist, außer mit seiner Erlaubnis. Sie sollte ebenso niemandem gestatten, sein Haus zu betreten ohne seine Zustimmung.“ (Al-Bukhari und Muslim)

    Die zitierte Version stammt von Al-Bukhari.

    [Riyad us-Salihin Nr. 282]

    Abu Huraira (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte: „Wenn ich irgendjemandem befohlen hätte, sich vor einem anderen niederzuwerfen, so hätte ich angeordnet, dass die Ehefrau sich vor ihrem Ehemann niederwirft.“ (At-Tirmidhi)

    Dies ist ein guter und gesunder Hadith (hasan sahih)

    [Riyad us-Salihin Nr. 285]

    Genug Fragen für einen Tag!

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  7. Liebe Jakob Ali,

    als Vorkommentatorin fühle ich mich angesprochen, weshalb ich versuchen möchte, auf deinen sehr guten Kommentar einzugehen. Er hat mich ganz schön zum Nachdenken gebracht. Mich gezwungen, selbstkritisch zu reflektieren – und mich eines gelehrt: wir machen es uns oft zu einfach. Danke erst mal, für den Augenöffner. Vieles ist für „geborene“ Muslime (die wir ja eigentlich alle sind) zu selbstverständlich. Wir verfallen regelmäßig in den Abwehrreflex.
    Aber das liegt auch daran, dass wir permament in die Defensive gedrängt werden. Und allein das ist schon falsch. Nur weil vieles verächtlich gemacht wird, nicht mehr „en vogue“ ist, verliert es nicht seinen Wahrheitskern. Schließlich ermahnte uns auch der Prophet (s): „be a stranger in this dunya!“, sei ein Reisender, der sich dieser vergänglichen Welt mit all ihren wunderbaren Dingen nicht zu sehr verschreibt.

    Nun zu deinen Fragen, die – ich wiederhole mich – mich wirklich berührt haben:

    Zunächst stimme ich dir vollkommen zu: es ist falsch, wenn wir auf Fragen ablehnend reagieren, ja sie gar unterbinden wollen. Das hat der Islam nicht nötig.
    Also würde ich auf deine 1. Frage
    „Gibt es Fragen, die nicht gestellt werden dürfen?“ antworten:
    – vielleicht. Denn bekanntlich reagierte der Prophet Muhammad (s) nicht erfreut über Gefährten, die zu viel fragten. Allerdings nicht, weil er keine Antworten gewusst hätte, dem war nicht so, sondern weil er fürchtete, dass sich Muslime dadurch den Glauben noch schwerer machen würden. Es gehört zur Demut, einige gottgegebene Gegebenheiten, wie unsere Vergänglichkeit oder die jenseitige Ewigkeit oder die Schaffung der unterschiedlichen Geschlechter zu akzeptieren und auf Gottes Weisheit zu vertrauen.

    An einer Stelle möchte ich dir widersprechen: Viele Vorurteile gegenüber dem Islam sind in der Tat medial verfestigt. Das weisen selbst nicht-muslimische Medienexperten (insbesondere Frau Prof. Dr. Sabine Schiffer) wissenschaftlich nach. Es gibt einfach keine islamisch begründbare Rechtfertigung für Unbildung von Frauen, Zwangsheirat und Terror. Dieses Kunststück, diese Untaten mit dem Islam zu verknüpfen, entstammt den Medien. Ich finde, das muss man fairerweise noch sagen dürfen, auch als Muslim, ohne als Apologet hingestellt zu werden. Wenn du sagst, IS, Saudi-Arabien und Co würden ihre Taten mit dem Islam legitimieren, dann muss ich entschieden widersprechen: Ich habe noch kein theologisches Argument für deren Verdrehungen gefunden. Selbst strengste Islamgelehrte widersprechen der Auslegung durch das KSA, dass Frauen nicht am Steuer sitzen dürfen. Ich habe wirklich noch nie eine islamische Begründung für den IS gefunden. Es gibt schlicht keine Rechtfertigung für diesen blinden Terror. Auch hier ist es nicht apologetisch, wenn man als Muslim sich fragt: cui bono?

    Doch in Folgendem hast du Recht: Muslimische Familien sind untereinander oft sehr intolerant. Das lässt sich vielleicht soziologisch begründen, aber nicht islamisch. Dass andere Nationalitäten nicht geduldet werden ist eine unglaubliche Ignoranz muslimischer Eltern. Doch auch hier gilt: islamisch lässt sich das nicht begründen. Allein der Prophet selbst, führte mindestens eine binationale Ehe.

    Das Deutschland Flüchtlinge aufnimmt, Saudi-Arabien, Qatar und Dubai aber keine, ist eine Schande. Aber wohl eher ein politisches Problem, denn ein religiöses. Zumindest ist es falsch, jegliche Handlung arabischer Staatsführer auf den Islam zu beziehen. Wir wissen nur zu gut, dass der Prophet (s) selbst ihren kranken Wohlstand vorhergesehen hat.

    „was ist wenn die Muslime stets den Islam als Legitimation für ihr Handeln herbeiziehen?“
    – nun dasselbe, wie wenn Demokraten die Menschenrechte für ihre Kriege heranziehen. Oder einfach ausgedrückt: Ein muslimischer Ladendieb macht noch längst keinen islamisch gerechtfertigten Diebstahl.
    Verbrechen bleibt Verbrechen, egal wer es unter welchem Vorwand begeht.

    Du hast Recht, leider stehen wir heute als Muslime für alles was in der gesamten islamischen Welt passiert unter Rechtfertigungsdruck. Du hast Recht, wir müssen uns in der „globalisierten, hypermedialisierten Welt“ mit diesen Fragen auseinandersetzen. Doch Information ist nicht nur schnelllebig. Sie ist oftmals auch verzerrt, gefiltert oder einfach unwahr. Ich würde Gegenfragen: Warum soll ich als Muslimin überhaupt über einen mir unbekannten Sachverhalt aus den tiefen Afghanistans urteilen? Ich finde das ungerecht, uns auf unklarer Tatsachenbasis mit solchen Geschehnissen zu konfrontieren. Islamisch gesehen ist klar, das a) keine Selbstjustiz geübt werden darf und b) extrem hohe Beweisanforderungen bestehen, ehe eine Person bestraft werden darf. Doch wen interessieren im Zeitalter des schnelllebigen Internets noch strenge Beweisregeln, wie sie es nur im Islam gibt, dass etwa im Fall des Ehebruchs 4 Zeugen dem Akt in seinen Einzelheiten beigewohnt haben müssen?

    „Und um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir uns mit uns selbst, unserem Handeln und unserer Religion auseinandersetzen.“ – Stimme dir 100% zu.

    „Müssen wir die alle bekehren?“ – nein, wir müssen nur durch moralisch einwandfreies Verhalten und einen aufrichten Charakter den Islam vorleben und auf die Offenbarung hinweisen. Die Herzen sind in Allahs Hand.

    Wenn ganz krasse Ultras sagen: “Alle Nichtmuslime kommen in die Hölle!”, kann man nur den Kopf schütteln über ihre Ungebildetheit und schwer hoffen, dass sie endlich reifer werden. Die Aussage ist so nicht richtig. Es gibt doch Beispiele aus Hadithen des Propheten, von einer ganz streng religiösen Frau, die ihre Gebete verrichtete und immer fastete, die jedoch ihre Nachbarn nicht gut behandelte. Sie wurde mit dem Höllenfeuer bestraft. Im Gegenzug wurde eine Prostitutierte, die sich einem verhungernden Hund erbarmte und seinen Durst löschte mit dem Paradies belohnt. Was wissen diese radikalen Menschen schon? Sie reden so leicht über so schwere Urteile, die allein von Allah gefällt werden können. Warum sieht sich ein Muslim überhaupt genötigt, über das Jenseits anderer zu urteilen!? Das ist unislamisch. Der Islam lehrt uns gerade, dass wir nie wissen, welche Tat uns das Paradies beschert. Und wir wissen auch, dass allein durch Gottesdienst im stillen Kämmerchen ein Mensch noch lange nicht sein Jenseits gerettet hat – aber Allahu alem! Ein Muslim ist sanftmütig und barmherzig, gerade wenn er glaubt die Weisheit gefunden zu haben.

    Weiter fragst du:
    „Warum werden immer wieder islamisch begründet Söhne und Töchter aus den Familien verstoßen, wenn sie nicht “familienkonforme” Entscheidungen treffen?“
    – sehr gute Frage. Allerdings ist der Islam auch hier eindeutig: Familienbanden zu kappen bzw. Verwandtschaftsbanden zu brechen ist eine so strenge Sünde im Islam. Es gibt eigentlich keinen Umstand, der dies rechtfertigt. Auch nicht der heutzutage maßlos missbrauchte „Gehorsam gegenüber den Eltern“. Der rechtfertigt niemals Sünden. Vielleicht sollte die muslimische Jugend etwas selbstbewusster auftreten und sich aus diesem Würgegriff lösen. Denn auch Eltern gegenüber, hat man als Muslim gerecht zu sein (siehe Koran Sure 4:135 !!).

    „Warum sind Muslime selten offen und meistens unter sich? Warum findet so oft Ausgrenzung mit islamischer Legitimation statt? “
    – würde ich sagen, ist kulturbedingt. Kann ich jetzt nicht bestätigen. Ich zumindest habe fast nur mit Nichtmuslimen zu tun.

    „Was ist mit meinem christlichen Vater? Kommt der in die Hölle?“
    – Das können doch wir Menschen nicht beantworten. Was wissen die Leute schon von seiner Seele, seinem Herz? Mach auf jeden Fall Dua für ihn so lange er lebt. Allah weiß es am Besten.

    Dass sich eine Frau nicht ihrem Ehemann im Bett verweigern soll, ist vielleicht auf die strenge Moral im Islam zurückzuführen. Wenn es für Muslime verboten ist, jeglichen sexuellen Kontakt außerhalb der Ehe zu haben, sollen sie daran ermahnt werden, wie wichtig die Zufriedenheit in der Ehe ist.
    Immerhin erfordert die Zurückhaltung von Männern um einiges mehr Anstrengung als von uns „vernünftigen“ Frauen… würde ich mal behaupten 😉 Deshalb soll sie auch nicht freiwillig fasten, ohne dass ihr Mann das will. Weil ja dann auch der Geschlechtsverkehr verboten ist. Das ist schon wichtig, dass sich in der Ehe niemand verweigert, immerhin ist das für Muslime die einzige Möglichkeit der sexuellen Erfüllung. Ein Blick in Scheidungsgründe (auch nach hießigem Recht) ist vielleicht ganz aufschlussreich.

    Ich habe versucht ein paar Erklärungen zu bieten. Kann aber auch nicht alles beantworten, weil wir in dieser Hinsicht zu wenig Wissen haben. Ich finde es immer wichtig, sich auf den Islam als ganzheitliches Leben zu besinnen, und nicht zu stark Einzelaspekte zu betonen. Der Prophet ermahnte uns ja auch, dass wir nicht an zweifelhaftem verzweifeln bzw. darüber streiten sollen. Sondern an den klaren Sachen festhalten. Natürlich sind die Hadithen sehr komplex zu verstehen. Aber wer von uns weiß schon was der Anlass für die Aussagen war?

    Etwas mehr Gelassenheit, tawakkul Allah, würde uns Muslimen gut tun. Und vor allem: Das unsägliche Urteilen über andere muss endlich aufhören. In diesem SInne, danke für deine Anregungen und deine eindringlichen Gedanken.

    Salam, und viele liebe Grüße!

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    1. Liebe Ilm,
      zunächst möchte ich dir für deine wertvollen Antworten danken. Trotzdem möchte ich darauf hinweisen, dass sich das obige Verständnis der angeführten Hadithe nicht zwingend mit meinem Verständnis deckt.
      Aber diese Diskussion hier verdeutlicht sehr, was ich versuche zu beklagen: Uns wird ein Quran-Vers, ein Hadith oder irgendeine Tatsache vor die Füße geworfen zusammen mit der Aufforderung: „So jetzt erklär mal, warum das in deiner Reaktion so ist!“
      Und weil wir uns innerlich dazu verpflichtet fühlen, eine Erklärung zu finden, die im weitesten Sinne auch zu unserer Religion passt, antworten wir auf unsere bestmöglichste Art und Weise. Was zwar regelmäßig gut gemeint, aber nicht immer gut gemacht ist.
      Der angesprochene Hadith, in dem es darum geht, was einer Frau droht, die dem Ruf ihres Mannes ins Bett nicht folgt, ist ein hervorragendes Beispiel. Er wird regelmäßig für die Behauptung heran gezogen, dass der Mann seine Frau bei Verweigerung auch vergewaltigen darf, was nicht der Fall ist.
      Vielmehr ist der Hadith zunächst streng wörtlich im Kontext einer Streitsituation in der Ehe zu verstehen. Denn es ist so, dass es Ehepartnern im Streitfall geboten ist, maximal 3 Tage nicht mit einander zu reden. Als härtere Maßnahme gilt es das gemeinsame Ehebett zu meiden. Ruft ein Mann, wie im Hadith beschrieben, also wieder ins Bett geht es um ein „Friedensangebot“ bzw um das Beenden eines Streits. Bedenkt man also, dass es einem Muslim ans Herz gelegt wird, nicht länger als 3 Tage mit jemandem im Streit zu sein, wird hier die Weigerung der Frau zu einer möglichst versöhnlichen Lösung eines Streits getadelt. Mehr nicht.
      Ich möchte dieser Diskussion noch einen Hadith entgegensetzen: ‚Der Prophet Muhammad (sas) sagte: „Der beste unter euch ist derjenige, der seine Frau am besten behandelt.“
      !!

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      1. Danke, liebe Maryam, für die Ergänzung, der ich insgesamt vollkommen zustimme. Ich möchte nur klarstellen, dass ich Vergewaltigung in der Ehe für haram halte und entschieden verurteile. Ich glaube auch nicht, dass oben genannter Hadith dies rechtfertigt.

        Möge Allah (t) uns rechtleiten und unsere guten Werke annehmen und möge Er mir meine unbewussten Fehler verzeihen. Ameen.

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  8. Ich hatte hier vor kurzem einen sehr interessanten Kommentar gelesen. Auf Ihre Antwort dazu habe ich täglich gewartet, jetzt stelle ich schockiert fest, dass Sie diesen gelöscht haben. Ich finde Sie entziehen sich jeder Authentizität hier eine Meinung zu veröffentlichen, wenn Sie die Meinung anderer zensieren.

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    1. Lieber braindrain,
      Ich habe den Kommentar ersteinmal zurück Gestellt, weil auf meine Antwort ein weiterer antwortender Kommentar folgte, den ich so nicht unkommentiert stehen lassen wollte, mir aber die nötige Zeit zur Antwort nehmen wollte.
      Der wortwechsel wird hier bald wieder eingestellt!

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