Mama, kaufst du mir auch so ein Kopftuch?

DSC_0243

Seit 5 Uhr wach. Um 6:20 in völliger Dunkelheit losgefahren. Und abends völlig erschlagen mit dem Zug wieder auf dem nach Hause.
Ich genieße nach einem anstrengenden Tag mein Buch, als sich ein kleines etwa 4 Jähriges Mädchen neben mich setzt und sagt:

„Hallo, ich sitze jetzt hier. Aber ich kann mich nicht so gut festhalten.“
„Hallo, schön, dass du hier sitzt.“
„Was ist das?“ Sie zeigt auf den Haken am Fenster über mir.
„Ein Haken, da kannst du deine Jacke aufhängen.“
Sie hängte kommentarlos ihre Jacke auf.
„Jetzt hängt da meine Jacke!“ Es machte sie fast stolz, dass ihre rosa Plüsch Jacke (die sie mir zwischenzeitlich auch an die Wange rieb, damit ich fühlte wie gut man mit ihr kuscheln konnte) nun an dem Haken hing.
„Ja, aber du darfst sie gleich nicht vergessen.“
„Stimmt, sonst ist mir kalt!“
„Genau, und dann erkältest du dich.“
„So wie George.“
„Wer ist George?“
„Ein Schwein!“
„Ein Schwein, das sich erkältet hat?“
„Ja, genau!“
Aha. Ich bemühte mich weiterhin ernst zu bleiben.
„Was ist das?“ Sie zeigte auf meinen Hals.
„Ein Schal“, war meine Antwort.
„Nein, das meine ich nicht. Was ist das hier?“ Und sie klopfte mir mal kurz auf den Kopf.
„Achso, das ist ein Kopftuch.“
„Mama, kaufst du mir auch so eins?“
Ihre Mutter steckte den Kopf zu uns nach vorn und schaute mich etwas besorgt an.
„Du hast doch schon so viele Mützen und Schals“, versuchte sie ihre Tochter den Wunsch auszureden.
„Ja, aber ich will so ein Kopftuch. Mama, kaufst du mir auch so ein Kopftuch?“
Ihre drei Freundinnen neben uns lachten, genau wie ich. Aber ich sah auch den alarmierten Ausdruck auf dem Gesicht ihrer Mutter. Islamisierte ich etwa ihre kleine 4 Jährige Tochter?
Deshalb sagte ich: „Aber das brauchst du doch gar nicht!“
Ihre Mutter lehnte sich wieder etwas entspannter zurück. Aber am liebsten hätte ich gar nicht das Bedürfnis gehabt es zu sagen.
Die Kleine kletterte wieder zu ihrer Mutter auf den Sitz und ich hörte nur von hinten: „Mama, die Fremde redet mit mir. Ich glaube sie ist meine Freundin!“.

Meine liebe Zug-Freundin,

tu mir bitte einen Gefallen: Bleib so wie du bist, so unbefangen und offen für Neues. Dann wirst du überall und immer Freunde finden, die dich gerne im Gedächtnis behalten. So wie ich!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s