Wenn ich mal Bürgermeister bin…!

Zug

Auch auf die Gefahr hin, dass ich ständig Bus&Bahn Geschichten poste, die hier muss für ein kurzes Lächeln zwischendurch noch sein: 

Heute Morgen im Zug auf dem Weg zur Uni: Ein kleiner Junger, höchstens 10 Jahre alt, steigt mit seinen 2 Geschwistern und seiner Mutter in den Zug. Man sieht ihm seine afrikanischen Wurzeln auf den ersten Blick an. Denn mit seiner dunklen Haut wird er wahrscheinlich seit seiner Geburt liebevoll als Schoko-Kind bezeichnet, nicht ohne immer wieder Entzückung bei jungen Frauen auszuüben, die sich regelmäßig ein solches „Schoko-Kind“ wünschen. Ich fürchte seine Afro-Locken haben auch schon häufig zu der Frage geführt „Darf ich mal fühlen“, während die Hand bereits durch die Haare fuhr.

Er unterhielt sich mit seiner Familie über Alltäglichkeiten und ich fühlte mich mal wieder schlecht, dass ich ohne Hemmungen fremden Unterhaltungen zuhörte. Irgendwann lehnte er sich gegen die Zugtür, schaute raus und beobachtete wachsam den Rand der Zuggleise.

„Mama, da liegt überall Müll.“
„Ja, ich weiß!“, antwortete sie und man merkte ihr an, dass es sie wirklich traurig stimmte.
Der kleine Junge schüttelte den Kopf und blickte immer noch nach draußen.
„Überall Müll! Wenn ich mal Bürgermeister bin…!!

Damit zeichnete er mir an diesem Morgen zum ersten Mal ein Lächeln ins Gesicht. Wir haben in Bonn zwar erst vor einigen Wochen einen Bürgermeister mit indischen Wurzeln gewählt, aber ein dunkelhäutiger Bürgermeister – das wäre dann doch noch mal etwas anderes in Bonn.

Kurz darauf folgte eine Frage an seine Mutter: „Mama, warum fahren die meisten Leute mit dem Auto zur Arbeit und nicht mit dem Zug oder Fahrrad?“

Darauf wusste auch sie keine Antwort.

„Ich finde, man sollte die Autoräder der Leute anketten, damit sie nicht immer mit dem Auto überall hinfahren. Das ist nicht gut.“
Und es war nicht einfach so daher gesagt, er schien sich wirklich Sorgen um unsere Umwelt zu machen, und er wollte etwas verändern, indem er Bürgermeister wurde.
Erst nachher wurde mir klar, was ich ihm in diesem Augenblick gerne gesagt hätte:

Lieber Bürgermeisterkandidat der Zukunft,

ich wünsche dir, dass, wenn es soweit ist, dein Wahlkampfthema immer noch der Umweltschutz ist, und du dich nicht für die Themen Integration, Rassismus und Flüchtlingspolitik, von der Partei deiner Wahl instrumentalisieren lässt. Sondern, dass du durch deine Begeisterung für dein Thema deine Wählerschaft ansteckst.

Ich wünsche dir, dass du mit der gleichen Selbstverständlichkeit die Probleme, die dir wichtig sind ansprichst und dann auch anpackst.

Ich wünsche dir, dass du dir deine hohen Ziele beibehältst und alle sozialen Barrieren, die dir begegnen mit deinem Freimut und deinem charmanten Lächeln einrennst, ohne sie wirklich als Barrieren wahrzunehmen. Und ich wünsche dir,  dass du die Welt veränderst, so wie du es dir wünschst, aber dabei deine Wurzeln nicht vergisst.

Lieber Bürgermeisterkandidat der Zukunft,

du hast heute, ohne es zu merken, deine erste Wählerin gewonnen und unglaublich authentische Wahlwerbung betrieben. Ich hoffe auch in Zukunft von dir zu hören!

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Ein Gedanke zu “Wenn ich mal Bürgermeister bin…!

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